Deutschland: Weltmeister in Reparationsauszahlungen

„Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang auch die Frage der deutschen Patente erwähnen. Sie wissen, daß alle deutschen Patente freigegeben worden sind. … Der Schaden, der durch all das der deutschen Wirtschaft entstanden ist, ist natürlich außerordentlich groß und in Ziffern nicht zu schätzen.“

Konrad Adenauers Rede vor der Interparlamentarischen Union in Bern (23. März 1949)

Hundert Jahre Reparationen

Schon nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg, wurde Deutschland zu etwas gezwungen, was später anscheinend zum Hobby für das Land werden würde: Reparationszahlungen. Erst am 3. Oktober 2010 wurden diese Reparationszahlungen endlich abgeschlossen. Die Zahlungen waren eigentlich für Zinsen von Auslandsanleihen an Deutschland, da das Land die hohen Reparationsforderungen hätte sonst nicht decken können. Die Summe wurde zunächst auf 269 Milliarden Goldmark, also rund 96.000 Tonnen Gold festgesetzt, bevor sie später auf 112 Milliarden Goldmark reduziert wurde. In 1931 stellte Deutschland die jährlichen Zahlungen während der globalen Finanzkrise ein. In 1933 stellte die NS-Regierung die Zahlungen endgültig ein, was natürlich nur bis zu Kriegsende andauerte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Deutschland in unterschiedlichen Formen und auf andere Weisen zusätzliche Reparationen bezahlt. Ein Teil dieser Reparationen war nicht mit Geld, sondern mit Demontagen bezahlt, also das Abbauen und Abtransportieren von Produktionsmitteln oder anderen ortsfesten Anlagen durch eine Kriegspartei im besetzten Gebiet. Dazu gab es aber auch diverse Zahlungen, die Teil der Deutschen Wiedergutmachungspolitik waren und noch sind. Die Wiedergutmachungspolitik ist immens und beschäftigt sich im Allgemein mit materieller Entschädigung für die Verfolgte der NS-Zeit.

Endlose Wiedergutmachung

Was die heutige Zeit betrifft, ist Deutschland nach wie vor Zahlmeister. Von der Berliner Zeitung erfahren wir von Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia. Vertreter betroffener Bevölkerungsgruppen Namibias haben das von Deutschland vorgeschlagene Abkommen abgelehnt, das die Bundesregierung als Wiedergutmachung für die Kolonialzeit vor mehr als 100 Jahren ansah. Die von der Bundesregierung angebotenen Unterstützungszahlungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro über 30 Jahre seien „eine schockierende Offenbarung“, „inakzeptabel“ und ein „Affront gegen unsere Existenz“, erklärten Vertreter des Rates. Der „beleidigende Betrag“ werde abgelehnt. Die Reparationsfrage müsse jedoch neu verhandelt werden, hieß es.

Aber solche Fälle wie oben beschrieben passieren öfter als man denkt. Ein Beitrag von Deutschlandfunk berichtet in Bezug auf Griechenland: Νoch während des Krieges hatte das Deutsche Reich damit begonnen, den zeitlich nicht befristeten Kredit zurückzuzahlen, nach dem Ende des NS-Regimes aber die Tilgung eingestellt. Anfang der 1960er-Jahre überwies die Bundesrepublik im Rahmen von mehreren Abkommen mit westlichen Staaten einmalig 115 Millionen D-Mark an Griechenland als Ausgleich für NS-Unrecht. Aus deutscher Sicht waren damit die griechischen Ansprüche abgegolten. Griechenland sieht das auch heute noch anders.

die falschen Prioritäten

Was Namibia betrifft, hat die Bundesregierung bestimmt ein Eigentor getroffen, da sie das Reparationsfrage selbst offiziell wieder thematisiert hat. Dass die angebotene Wiedergutmachung nicht genug für Namibia ist, sollte eigentlich als Lektion dienen. Dennoch nehmen andere Länder wie Griechenland und Polen sogar selbst die Initiative und fordern ihre eigenen Reparationen von Deutschland. Vor allem sehen wir, dass man in Sache Reparationen Gefahr, wenn man damit anfängt. Jeder kommt rennen, um den Preis abzukassieren, enden wird der Zustrom erst, wenn man später selbst pleite ist. Ein Wunder ist es schon, dass Deutschland es bisher geschafft hat, relativ finanziell gut da zu stehen, wenn aber die Regierung überall nach Geld für Rentner und Pflegekräfte suchen muss, kann es sein, dass die Prioritäten dringend neu gestalten werden müssen.

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